Dein erster Anbau, Teil 1: Samen und deren Keimung

by Julia Mertens on June 10, 2024

Willkommen zu deinem ersten Schritt in die Welt des Cannabis-Anbaus! In diesem ersten Teil unserer Serie konzentrieren wir uns darauf, wie du deine Samen richtig keimen lässt. Es gibt verschiedene Methoden, und wir werden sie hier vergleichen, um die beste für absolute Anfänger zu finden.

Egal, ob du schon mal Pflanzen im Garten hattest oder nicht mal weißt, wie so ein Cannabis-Samen aussieht, wir versorgen dich mit allen wichtigen Informationen, die du für den Anbau brauchst.


Sativa vs. Indica: Ansprüche und Pflanzenform

Cannabis-Sativa und Cannabis-Indica unterscheiden sich in mehreren Aspekten, die für Anfänger wichtig sein können. Obgleich die meisten Samen mittlerweile aus einer Kreuzung beider oder sogar aller drei bekannten Cannabis-Sorten hervorgehen, sind sie oftmals in eine Richtung "dominant"; die Genetik bestimmt dann die Ansprüche.

Sativa: Diese Pflanzen werden oft sehr hoch und haben schmale, fingerartige Blätter. Sativas bevorzugen wärmere Klimazonen und benötigen in der Regel längere Blütezeiten. Sie sind ideal für Outdoor-Anbau in Regionen mit langen Sommern. Vor einigen Jahren wurde davon abgeraten, in Deutschland Sativa-Pflanzen anzubauen, da das Klima zu kühl und feucht war - auf Grund des aktuellen Wassermangels und der Hitzewellen durch Klimawandel wachsen mittlerweile auch Sativa-Pflanzen gut im heimischen Garten.

Indica: Indicas sind kürzer und buschiger mit breiten Blättern. Sie eignen sich besser für kühlere Klimazonen und haben oft kürzere Blütezeiten. Diese Pflanzen sind robuster und können widrigere Wetterbedingungen besser tolerieren. Bei deutschem Sommerklima benötigen diese Pflanzen mittlerweile erhöhte Aufmerksamkeit, da es ihnen zu warm und trocken werden kann.


Der ideale Samen

Die Wahl der richtigen Samen ist natürlich wichtig. Informiere dich vorab, ob die von dir gewählten Samen für die von dir gewählte Anbau-Art geeignet sind, um böse Überraschungen zu vermeiden. Idealerweise sollte ein Cannabis-Samen dunkel und fest sein. Ein gesunder Samen hat eine braune bis graue Farbe und kann oft kleine Flecken oder Streifen aufweisen. Helle oder grüne Samen sind meist unreif und haben eine geringere Keimrate, obgleich hier natürlich die Ausnahme die Regel bestätigt.

Ein guter Test für die Qualität der Samen ist der „Quetschtest“: Drücke den Samen vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger. Wenn er sich fest anfühlt und nicht leicht zerdrückt wird, ist er von guter Qualität.

 




Verschiedene Keim-Methoden

1. Keimen zwischen Papierhandtüchern:

Die Methode, bei der Samen zwischen feuchte Papierhandtücher gelegt werden, ist weit verbreitet. Man legt die Samen zwischen zwei feuchte Tücher, hält sie an einem warmen, dunklen Ort und wartet, bis die Samen Wurzeln schlagen. Doch Vorsicht: Beim Umsetzen der gekeimten Samen können die empfindlichen Wurzeln leicht beschädigt werden, was das Wachstum beeinträchtigen kann.

2. Keimen in Wasser:

Einige Züchter lassen ihre Samen zuerst in einem Glas Wasser keimen. Man lässt die Samen etwa 24 Stunden im Wasser schwimmen, bis sie anfangen zu quellen und eventuell kleine Wurzeln zeigen. Danach setzt man die Samen in Erde oder ein anderes Substrat um. Auch hier besteht die Gefahr, die zarten Wurzeln beim Umsetzen zu beschädigen.

3. Keimen in Substrat:

Diese Methode ist der natürlichen Umgebung am nächsten und bietet viele Vorteile. Die Samen werden direkt in ein geeignetes Substrat wie Anzuchterde oder Torfquelltöpfe gepflanzt. Der Samen hat so von Anfang an Kontakt zu den Nährstoffen und kann ungestört wurzeln. In der Natur fallen Samen schließlich auch direkt auf den Boden und beginnen dort zu keimen. Diese Methode minimiert das Risiko, die Wurzeln zu beschädigen, da die Pflanze nicht umgepflanzt werden muss.

Warum Substrat die beste Wahl ist

Beim Keimen in Substrat haben die Wurzeln von Anfang an Platz, sich ungestört zu entwickeln. Es gibt keinen zusätzlichen Stress durch das Umsetzen, und die Pflanze kann gleich im vorgesehenen Medium wachsen. In der Natur fällt ein Samen ja auch nicht erst auf ein Küchentuch – er landet direkt auf dem Boden, wo er zu keimen beginnt.

 




Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Keimen in Substrat:

Vorbereitung: Fülle kleine Töpfe oder Anzuchtschalen mit feuchtem, lockerem Substrat. Anzuchterde ist ideal, da sie gut durchlüftet ist und die richtigen Nährstoffe bietet. Es braucht hier keine spezielle "Cannabis-Anzuchterde", Bio-Anzuchterde vom Discounter oder Baumarkt reicht vollkommen.


Samen pflanzen: Setze die Samen etwa 1 cm tief in das Substrat und bedecke sie leicht mit Erde. Achte darauf, dass das Substrat feucht, aber nicht nass ist. Bewässern solltest du sie regelmäßig mit einer fein nebelnden Blumenspritze.
Licht und Wärme: Stelle die Töpfe an einen warmen, hellen Ort. Ideal ist eine Temperatur zwischen 20-25°C. Ein sonniges Fenster oder eine Pflanzenlampe sind Pflicht, damit die Keimlinge nicht spargeln.


Geduld: Halte das Substrat gleichmäßig feucht und warte, bis die Samen keimen. Dies kann einige Tage bis zu einer Woche dauern. Bei älteren Samen dauert die Keimung grundsätzlich länger als bei jungen Samen, auch wenn man den Samen ihr Alter nicht ansieht.

 

Übrigens: Auch, wenn es verlockend ist - du solltest die Samenkapsel nicht von der Pflanze entfernen, auch wenn es so wirkt, als würde der Keimling seinen "Helm" gar nicht abschütteln können. Die Gefahr, den Keimling dabei zu beschädigen, ist sehr hoch. Die Natur macht das schon von alleine, wenn du ihr die richtigen Voraussetzungen wie Licht, Nährstoffe und Feuchtigkeit bietest.

Dass ein Keimling wegen einer solchen Samenkapsel tatsächlich eingeht, passiert extrem selten. Dass Keimlinge zerstört werden, weil die Kapsel in guter Absicht mit Pinzette und Handschuh bearbeitet wurde, passiert hingegen leider oft. Daher unser Tipp: Lieber Finger weg und der Pflanze vertrauen.


Beleuchtung für Indoor-Keimung

Wenn du deine Samen im Haus keimen lässt, ist die richtige Beleuchtung entscheidend. Cannabis-Samen benötigen viel Licht, um nicht zu „spindeln“, auch spargeln genannt. Dies bedeutet, dass die Pflanzen dünn in die Höhe schießen und schließlich umkippen, weil sie nicht genügend Licht bekommen. Verwende eine Pflanzenlampe, die 18-24 Stunden Licht pro Tag bietet, um ein gesundes Wachstum zu fördern. Eine LED-Pflanzenlampe ist eine gute Wahl, da sie wenig Wärme abgibt und energieeffizient ist.

 



Mit dieser Methode hast du den besten Start für deinen Cannabis-Anbau und reduzierst das Risiko von Beschädigungen an den empfindlichen Wurzeln. Im nächsten Teil unserer Serie werden wir uns anschauen, wie du die jungen Pflanzen weiter pflegst und sie auf das Auspflanzen im Freien vorbereitest.

Bleib dran und viel Erfolg beim Keimen deiner ersten Cannabissamen!

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